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KOLUMNE // Du willst (eigentlich) gar nicht, dass man dich kennt

4/28/2017


„Du willst (eigentlich) gar nicht, dass man dich kennt! Du willst (nur), dass ich dich toll finde.“

So oder so ähnlich ging das Zitat, was mich in letzter Zeit am meisten beschäftigt hat, denn seitdem geht mir das Ganze nicht mehr aus dem Kopf. Nicht der letzte Satz, hauptsächlich der erste, wobei der zweite mir in anderer Hinsicht vieles erklärt. Irgendwie. Die einen werden jetzt die Augen verdrehen und es komplett bescheuert finden, die Fans unter euch werden Laut aufkreischen und direkt ein paar lines zitieren, die natürlich alle Ohrwurmpotenzial haben. Dieser Satz stammt aus keinem philosophischen deep talk, aus irgendeinem unglaublich nachhaltigem Film, dessen Intellekt uns alle erblassen lässt, es ist easy. „Unserer Zeit ist jetzt“, ist mehr so die seichte Komödie, die mit ihrem bekannten Hauptact die Kinosäle füllen soll und mehr so als Imagefilm gedacht ist(?). wie auch immer das ganze hat eigentlich nichts damit zu tun, was ich eigentlich sagen will, war nur so als kleiner Exkurs am Rande gedacht, weil ja immer interessant ist woher so ein Zitat denn herkommt.

„Du willst (eigentlich) gar nicht, dass man dich kennt!“

Der Satz passt und irgendwie könnte er auch fast auf mich zugeschnitten sein, irgendwie traurig. Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto bewusster ist mir geworden, dass ich auf eine Art und Weise auch so ticke. Was jetzt nicht heißen soll, ich würde nicht wollen dass mich jemand kennt, dafür ist das ganze dann doch noch ein wenig vielschichtiger oder wie facebook sagen würde: es ist kompliziert. Wie man es nimmt.

Ich will, dass mich jemand kennt, weil ich dann nichts sagen müsste, weil ich dann ein offenes Buch wäre. Ich müsste nichts sagen, weil wer auch immer mich kennen würde, genau wüsste wann es mir nicht gut geht, wann ich was brauche und so, ihr wisst, was ich meine.

Aber andererseits ist auch genau das, das Problem. Wenn mich jemand kennt, mich lesen kann, dann kann man mir damit auch so viel nehmen und davor hab ich Angst, davor eine zu große Nähe zu jemandem aufzubauen, weil …

Ich rede viel, manchmal auch zu viel, plappere über dieses und jenes doch wenn du meine Worte am Ende des Tages auf eine Wage legen würdest, würden sie so gut wie gar nichts wiegen. Alles was Gewicht hat, bleibt bei mir, in mir, damit es nur mich belastet.

Und dann will ich es wiederum doch und dann auch wieder nicht. Dann rede ich halt um den heißen Brei herum, weil das ja und nein in meinem Kopf sich nicht entscheiden können und ja vielleicht, da ist möglicherweise dann diese Hoffnung, dass trotzdem wer merkt wie ich zwischen den Stühlen sitze und genau das daraus ließ, was ich eigentlich sagen wollte. Jemand, der den Code entschlüsselt, zwischen gesagtem, ungesagtem, jemand der zwischen den Zeilen hören kann und weiß, dass Ironie und Sarkasmus nicht gleich einfach nur Ironie und Sarkasmus sind sondern gute Mittel zum Zweck. Die mir dabei helfen, die Wahrheit zu sagen, Dinge die ich sagen will und dann doch wieder nicht. Je nachdem wie sie gedeutet werden, sind sie das eine oder andere. Du musst nur auf die feinen Nuancen hören, die Unterschiede erkennen und rausfiltern, was nur so daher gesagt und was am Ende tatsächlich so gemeint war.

„Du musst dich den Leuten zeigen, so wie du bist, sie wollen dich sehen.“ Diesen Rat hat mir ein guter Freund gegeben und ich weiß, dass er damit recht hat. Aber ich bin eben mehr so der Zuhörer, ich höre gerne zu, was andere beschäftigt, was sie nachts wach hält, all die Dinge, die den Menschen ausmachen und zu dem was er ist. Anders herum ist es dann doch ein wenig komplizierter, mir fehlen die Worte, obwohl ich damit sonst auch so gut jonglieren kann, sie so gerne um mich werfe.
Darum wünsche ich mir manchmal, wobei ziemlich oft, dass ich mich mehr fallen lassen könnte. Mehr zulassen vor allem. Darum geht es ja letztendlich. jedem, dem du letztendlich erlaubst dich zu kennen, dem gibst du einen Teil von dir. Das hat irgendwo auch was mit Kontrolle zu tun, mehr in so einem übertragenen Sinne.

„Du willst (eigentlich) gar nicht, dass man dich kennt!“

Doch das will ich, nichts mehr als das. Doch auf der anderen Seite habe ich auch Schwierigkeiten damit, weil ich mich dafür fallen lassen muss. Weil was ist, wenn da dann keiner ist, der mich auffange kann. Weil mir diese Nähe, die zwischen Menschen entstehen kann, beziehungsweise die zwangsläufig entsteht, wenn du jemand fremden kennen lernst, Angst macht. Ich weiß nicht ob es komplett bescheuert klingt oder nur teilweise, jedenfalls ist man dann abhängig von jemandem. Klar, du bist noch immer du, aber das ist so krass, dass es mir Angst macht, weil ich Angst habe, damit nicht umgehen zu können. Irgendwie dann doch nicht genug zu sein. Dazu kommt noch der ganze Panikkram und dass man dann automatisch Angst hat, dass es wieder passiert, weil es komplett willkürlich auftritt und wiederum auch nicht kontrollierbar ist und so hängt man dann eben drin in so nem sich immer drehenden Kreis. Verdammt.

Ich will doch, dass du mich kennst! So sehr, aber ich kann dich nicht rein lassen, weil ich den Schlüssel verloren habe. Also verzeih mir, wenn ich dir auch das Fenster vor die Stirn knalle, durch welches du einsteigen wolltest. Das wollte ich nicht. Ich hab dich doch eingeladen. 

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